Letzte Änderung am 03.9.2010 | | | | | |
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Geraer SRH-Waldklinikum: Ostthüringens erste Palliativstation |
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26.01.2006 , tlz.de |
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Abschied nehmen ohne Schmerzen
Die größte Angst haben Patienten vor dem Alleinsein und den Schmerzen.
Dr. Elisabeth Schmidt, Leiterin der Palliativstation am Waldklinikum
Von Katrin Wiesner Gera. Im Krankenhaus kann man doch nicht sterben.
Diesen Satz hat Dr. Elisabeth Schmidt oft gehört und wusste es doch
besser. Seit 1988 betreut die Internistin Tumorpatienten, jene, deren
Heilungschancen gut sind und jene schweren Fälle, die den Kampf gegen
den Krebs verlieren werden. Die moderne Medizin mit ihren
Hightech-Apparaten kann viel, so viel, sagt Elisabeth Schmidt, dass
schnell ihre Grenzen aus dem Blick geraten. Nicht nur bei auf Heilung
hoffenden Patienten, auch bei Ärzten und Schwestern. Das Sterben wird
auf Klinikseite als Niederlage erlebt. Und so hat die Medizin über
allen wissenschaftlichen Fortschrittsglauben den Menschen vergessen,
für den es keine Heilung mehr gibt.
"Hier ist Hilfe dringend nötig", sagt die 51-Jährige, die sich seit
Mitte der 90er Jahre mit Schmerztherapie beschäftigt. Patienten am
Lebensende sollen ohne Schmerzen Abschied nehmen können. Im Altenburger
Krankenhaus, wo sie bislang arbeitete, kam eine Palliativstation nicht
über die Planungsphase hinaus. Jahresanfang ist Dr. Schmidt an das
Geraer SRH-Waldklinikum gewechselt, wo Ostthüringens erste Station für
Schmerzpatienten eingerichtet wird. Seit Dezember laufen dafür die
Umbauarbeiten im Bettenhaus am Standort II. "Endlich kann ich
verwirklichen, was ich seit Jahren machen möchte", sagt die Ärztin.
Noch Ende Februar sollen die ersten Tumorpatienten in der
Zehn-Betten-Station aufgenommen werden. In der Regel dauert die
Klinikbehandlung zwei Wochen, dann können die Betroffenen nach Hause
entlassen werden.
Palliativmedizin, die Schwerkranken ein möglichst schmerzfreies Leben
bis zum Ende verspricht, gilt als Antwort auf den Wunsch nach
Sterbehilfe. Doch trotz der jüngsten Debatte; Deutschland hat
Nachholbedarf, und Thüringen steht in der Bereithaltung von Betten für
schwerkranke Krebspatienten an letzter Stelle.
Das mag mit dem hohen Kostenaufwand einer solchen Station zu tun haben.
Um die zehn Patienten in Gera werden sich 13 speziell ausgebildete
Pflegekräfte sorgen. Zwei Ärzte, ein Psychologe, Sozialarbeiter,
Physiotherapeuten, Seelsorger werden auf der Station arbeiten,
wöchentlich zu Teamberatungen an einem Tisch sitzen. Jeder Krebspatient
braucht seine individuelle Schmerztherapie. Die passende Dosierung der
schmerzstillenden Opiate sei dabei nur ein Teil. Schmerzspezialisten
schnüren oft ein ganzes Bündel von Therapien, auch Kunst- oder
Musiktherapie können dazu gehören. Denn die Beschwerden heißen nicht
nur Schmerz, sondern auch Angst und Depressionen. Dafür braucht es Zeit
und viele Gespräche. Und nicht zuletzt benötigen auch die Angehörigen
der unheilbar Kranken Betreuung und Vorbereitung. "Wenn die Patienten
die Station verlassen und nach Hause gehen, dürfen sie in kein tiefes
Loch fallen", sagt Schmidt. Hier wird auch der Geraer Hospizverein
seine Hilfe anbieten.
Die Station selbst ist großzügig geplant. Alle Einzelzimmer haben eine
Übernachtungsmöglichkeit für einen Angehörigen. Es gibt Therapie- und
Gesprächsräume und einen Wohnraum für alle. In dem wird gemeinsam
gegessen, sagt Dr. Schmidt, und in dem werden auch Geburtstage und
Feste gefeiert.
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Link: Quelle
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