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Geraer SRH-Waldklinikum: Ostthüringens erste Palliativstation
26.01.2006 , tlz.de

Abschied nehmen ohne Schmerzen

Die größte Angst haben Patienten vor dem Alleinsein und den Schmerzen.

Dr. Elisabeth Schmidt, Leiterin der Palliativstation am Waldklinikum Von Katrin Wiesner Gera. Im Krankenhaus kann man doch nicht sterben. Diesen Satz hat Dr. Elisabeth Schmidt oft gehört und wusste es doch besser. Seit 1988 betreut die Internistin Tumorpatienten, jene, deren Heilungschancen gut sind und jene schweren Fälle, die den Kampf gegen den Krebs verlieren werden. Die moderne Medizin mit ihren Hightech-Apparaten kann viel, so viel, sagt Elisabeth Schmidt, dass schnell ihre Grenzen aus dem Blick geraten. Nicht nur bei auf Heilung hoffenden Patienten, auch bei Ärzten und Schwestern. Das Sterben wird auf Klinikseite als Niederlage erlebt. Und so hat die Medizin über allen wissenschaftlichen Fortschrittsglauben den Menschen vergessen, für den es keine Heilung mehr gibt.

"Hier ist Hilfe dringend nötig", sagt die 51-Jährige, die sich seit Mitte der 90er Jahre mit Schmerztherapie beschäftigt. Patienten am Lebensende sollen ohne Schmerzen Abschied nehmen können. Im Altenburger Krankenhaus, wo sie bislang arbeitete, kam eine Palliativstation nicht über die Planungsphase hinaus. Jahresanfang ist Dr. Schmidt an das Geraer SRH-Waldklinikum gewechselt, wo Ostthüringens erste Station für Schmerzpatienten eingerichtet wird. Seit Dezember laufen dafür die Umbauarbeiten im Bettenhaus am Standort II. "Endlich kann ich verwirklichen, was ich seit Jahren machen möchte", sagt die Ärztin. Noch Ende Februar sollen die ersten Tumorpatienten in der Zehn-Betten-Station aufgenommen werden. In der Regel dauert die Klinikbehandlung zwei Wochen, dann können die Betroffenen nach Hause entlassen werden.

Palliativmedizin, die Schwerkranken ein möglichst schmerzfreies Leben bis zum Ende verspricht, gilt als Antwort auf den Wunsch nach Sterbehilfe. Doch trotz der jüngsten Debatte; Deutschland hat Nachholbedarf, und Thüringen steht in der Bereithaltung von Betten für schwerkranke Krebspatienten an letzter Stelle.

Das mag mit dem hohen Kostenaufwand einer solchen Station zu tun haben. Um die zehn Patienten in Gera werden sich 13 speziell ausgebildete Pflegekräfte sorgen. Zwei Ärzte, ein Psychologe, Sozialarbeiter, Physiotherapeuten, Seelsorger werden auf der Station arbeiten, wöchentlich zu Teamberatungen an einem Tisch sitzen. Jeder Krebspatient braucht seine individuelle Schmerztherapie. Die passende Dosierung der schmerzstillenden Opiate sei dabei nur ein Teil. Schmerzspezialisten schnüren oft ein ganzes Bündel von Therapien, auch Kunst- oder Musiktherapie können dazu gehören. Denn die Beschwerden heißen nicht nur Schmerz, sondern auch Angst und Depressionen. Dafür braucht es Zeit und viele Gespräche. Und nicht zuletzt benötigen auch die Angehörigen der unheilbar Kranken Betreuung und Vorbereitung. "Wenn die Patienten die Station verlassen und nach Hause gehen, dürfen sie in kein tiefes Loch fallen", sagt Schmidt. Hier wird auch der Geraer Hospizverein seine Hilfe anbieten.

Die Station selbst ist großzügig geplant. Alle Einzelzimmer haben eine Übernachtungsmöglichkeit für einen Angehörigen. Es gibt Therapie- und Gesprächsräume und einen Wohnraum für alle. In dem wird gemeinsam gegessen, sagt Dr. Schmidt, und in dem werden auch Geburtstage und Feste gefeiert.



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